Sprechen wir miteinander statt übereinander in Deutschland
Pressemitteilung zum Seminar vom 18.11.2025
Am 18.11.2025 endete die 8‑teilige Polit-Talkreihe „Sprechen wir über Deutschland“ der evangelischen Kirchgemeinde Gertenbach. Die 16 Teilnehmenden tauschten sich auf der Basis des „Gertenbach-o-Mat“ über aktuelle politische Themen aus.
Es ging um Pro & Kontra bei der Verbeamtung von Lehrern sowie um die Frage, ob ein verpflichtendes Gemeinschaftsjahr auf junge Menschen begrenzt sein oder auch für Rentner gelten und ehrenamtliches Engagement angerechnet werden sollte. Genau hälftig verteilt waren Zustimmung und Ablehnung zum „Nein“ der Jungen Union zum geplanten Rentenpaket, mit plausiblen Argumenten für beide Positionen. Sei es wichtiger, die demokratische Koalition zu bewahren oder das veraltete und „ohnehin ungerechte“ Rentensystem endlich grundlegend zu reformieren?
„Wie wird die Welt und wie wird unser Dorf im Jahr 2030 aussehen?“, lautete die Schlussfrage unter dem Motto „Gertenbach-O-rakel“. Sehr aussagekräftig fielen die Rückmeldungen aus.
Viele TN brachten große Besorgnis zum Ausdruck: immer mehr Länder werden von Autokraten regiert und es erschreckt, dass die Supermacht USA von einem skrupellosen Egoisten wie Trump regiert wird, der binnen kürzester Zeit „die Weltwirtschaft in einen Trümmerhaufen“ verwandeln konnte.
Gleichzeitig wird auch der Rechtsruck in Europa mit Sorge registriert: in 3 bis 5 Jahren regieren CDU und AfD und dann heißt es: „Jetzt wird nicht mehr diskutiert, sondern gehandelt!“ Dann sind wir von einer Diktatur nicht mehr weit entfernt.
Andererseits, so wurde beschwichtigt, sei die Demokratie hierzulande stabiler als etwa in der Weimarer Republik. „Und in den Niederlanden wurde Wilders gerade abgewählt“.
Allergrößte Sorge galten dem Klimawandel und der fortschreitenden Umweltzerstörung. Immer heißt es: „jetzt sind wichtigere Themen dran“ und man schiebe den Klimaschutz vor sich her. Gerade dieses Jahr sei der CO₂-Ausstoß auf Rekordstand.
Manche machten die Medien verantwortlich für die Krisenstimmung: „Verblödung und Manipulation durch Horrorszenarien statt Fakten“. Denn „eigentlich geht es den Menschen so gut wie noch nie“. Allerdings müsse der Leistungsgedanke wieder mehr Einzug halten.
Gleichzeitig mit Sorge, aber auch Optimismus wurde die Entwicklung in Gertenbach betrachtet. Es gäbe zwar eine Spaltung im Dorf, ähnlich der Polarisierung, die man bundesweit wahrnimmt. Aber auch beispielhafte Projekte wie „Sprechen wir über Deutschland“, die Wiederbelebung des Jugendraums oder KiosG mit seinen vielfältigen Angeboten. „Wir müssen wieder lernen, miteinander zu sprechen statt übereinander“, so Ortsvorsteher Lothar Heuckeroth. „Wir wollen auch im Jahr 2030 in einem liebenswerten Gertenbach leben, wo man sich über alle Unterschiede hinweg an einen Tisch setzen und zusammen feiern kann“, ergänzte Günter Kellner, einstiger Initiator des Runden Tisches.
Insgesamt wurde ein positives Fazit dieser nun zu Ende gehenden Staffel gezogen. Im Vorfeld ließ Teilnehmer Konstantin wissen: „Ich kann echt nicht beschreiben, wie gut es mir tat, mich mit den Dörflern auszutauschen“. Und Pfarrer Dr. Nicolás Anders, sowie der scheidende Michael Glameyer, dem für seine ehrenamtliche Moderation gedankt wurde, ergänzten: „Das vielleicht wichtigste Ziel haben wir erreicht, indem wir die Erfahrung machten, wie wertvoll es ist, andere Meinungen als nur die eigene kennen- und ertragen zu lernen.“
Das Beste kommt zuletzt: ein kleines Orga-Team hat sich bereit erklärt, das Treffen einer möglichen Staffel 2 „Sprechen wir über Deutschland“ am Dienstag, dem 20. Januar 2026 vorzubereiten. Pfarrer Dr. Nicolás Anders sagte zu, dass die ev. Kirchgemeinde weiterhin gerne als Träger und Gastgeber fungiert. Hierüber wird rechtzeitig informiert.
Unabhängig davon bestehen auch für Witzenhausen und Hann. Münden entsprechende Überlegungen
Gertenbach, 20.11.2025
